„Das ist hier keine Plattform für Bürgerinitiativen.“

Mit diesem Satz läutete der damalige Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Klaus Nehre (SPD) die Gründungsphase von Pro Velten ein.  Genau heute vor 5 Jahren fanden sich 22 Veltener Bürger im Ofen- und Keramikmuseum ein, um den Verein „Pro Velten“ zu gründen.

„Was keiner wagt, das sollt ihr wagen - was keiner sagt, das sagt heraus - was keiner denkt, das wagt zu denken - was keiner anfängt, das führt aus.“ (Johann Wolfgang von Goethe) Mit diesem Worten begrüßte ich am 19. November 2013 diejenigen Veltener, die gemeinsam bereit waren sich für ihre Heimatstadt zu engagieren.  „Uns alle hier verbinden gemeinsame Ziele: Wir wollen unsere Heimatstadt verändern, verbessern. Wir wollen uns hier wohl fühlen, uns einbringen, nicht nur meckern, sondern auch anpacken und handeln, Verantwortung übernehmen, aufklären, zusammenarbeiten, Gemeinschaft fördern. Kurzum: Wir wollen unser Velten lebenswerter machen, wir wollen gemeinsam Leben und Planen in der Ofenstadt. Velten geht uns alle an.“ Und dies ist aktueller denn je. Bereits damals prophezeite ich „Das wird anstrengend werden, kostet Zeit, es kostet Geld, es wird nicht immer Freude machen, es wird ein hartes Stück Arbeit.“ Nun nach fünf Jahre intensiver Arbeit muss ich feststellen, dass ich Recht behalten sollte.

Was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben und welche unserer Ideen bis dato umgesetzt werden konnten, darüber informieren wir in unserer nächsten und damit 20. Ausgabe der Pro Velten Post, welche in Kürze erscheinen wird. Aber Pro Velten ist noch nicht am Ende: „Es muss uns gelingen, die Bürger für ihre Stadt zu begeistern. Wir werden alte Strukturen aufbrechen müssen, wir werden überzeugen müssen, wir werden zu erklären haben, dass man nur dann Veränderung und Verbesserung erwarten sollte, wenn man auch bereit ist, dafür einzustehen und einen kleinen Teil dazu beizutragen. Je mehr Bürger solch einen kleinen Teil beitragen, umso größer, sinnvoller und einfacher wird das Ganze.“

Ich habe meine Rede zur Gründungsversammlung aufgehoben und es ist nach fünf Jahren sehr interessant zu reflektieren, was davon in welchem Umfang eingetreten ist. „Wir werden alte Strukturen aufbrechen müssen“ – das ist sicherlich ein Kernsatz, den man im Nachgang noch unterstreichen müsste. Dass sich Die Linke gemeinsam mit der CDU und den Freien Wähler der SPD anschließen und gemeinsam Wahlkampf führen, hätte man damals nicht erahnen können.

Egal, welche öffentliche Meinung man versucht zu forcieren: Wir haben einiges erreicht. Dies lässt sich an vielen praktischen Beispielen unterstreichen. Es haben sich aber nicht nur Dinge umsetzen lassen, die man sehen kann. Einige kann man auch fühlen: Die Veltener sind wacher denn je – sie hinterfragen zunehmend Sachverhalte und interessieren sich für kommunalpolitische Fragen.

Aber man muss auch warnen: „Die Veltener interessieren sich nur dann, wenn es sie direkt betrifft.“ Das sagte Ines Hübner (SPD) als Bürgermeisterin der Stadt Velten. Das Schlimme: Nach fünf Jahren wird man den Eindruck nicht los, dass sie nicht ganz verkehrt liegt. Wir haben uns für mehr Bürgerbeteiligung von Beginn an stark gemacht. Wir haben zwischenzeitlich Beteiligungsprozesse, die Velten so noch nie erlebt hat: Ausstellungen, Umfragen, Planungswerkstätten. „Die machen eh, was sie wollen“ hört man oft. Richtig ist: Wer die Ergebnisse von Umfragen so auslegt, wie er will, dem werden die Menschen nicht vertrauen. Und so geschah es bei der Bürgerumfrage 2015: 18% der Befragten kreuzten bei der Auswahl zur Wichtigkeit eines weiteren Supermarktes in der Innenstadt „eher unwichtig“ an. Ines Hübner wertet das als Enthaltung und ignoriert damit immerhin 466 von 2589 Stimmen. Dies darf aber nicht dazu führen, dass man als Bürger resigniert und anschließend an Beteiligungsformaten gar nicht mehr teilnimmt. Denn dann machen „die da oben“ tatsächlich nur noch, was sie wollen.

Oft fühlen wir uns als Pro Veltener im Stich gelassen. Die häufigste Antwort, die man erhält, wenn man jemanden fragt, ob er sich engagieren möchte ist: „Ich habe keine Zeit.“ Zeit ist unumstritten ein knappes Gut. Wenn aber niemand mehr bereit ist, ein wenig davon für eine bessere Zukunft zu investieren oder zumindest seine Meinung zu vertreten und dahinter zu stehen wäre es töricht zu hoffen, dass „die anderen das schon machen“. Denn „die anderen“ sind in dem Fall auch die Pro Veltener. Und ebenso für uns ist die Zeit knapp und wir lassen andere Dinge liegen. Dieses Opfer werden engagierte Bürger langfristig nur dann bringen, wenn sie einen Rückhalt spüren. Und genau diesen vermissen viele von uns häufig.

Daher möchte ich auch wie vor 5 Jahren appellieren:

„Wir wollen, dass Bürgerbeteiligung die Grundlage für eine Planung ist – und nicht die Planung die Grundlage für die Bürgerbeteiligung. Um aber alles das zu erreichen benötigt es viel Kraft und Ausdauer – und vor allem: Ihre ehrliche Meinung und ihre Mitarbeit. Die Arbeit von Pro Velten fängt jetzt erst an. Es sind keine Berge, die wir versetzen müssen, sondern Steine. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass wir diese Steine aus dem Weg räumen und uns in unserer Stadt wohler fühlen können. Ich wünsche mir, dass man dann sagen kann: Ich bin stolz auf meine Ofenstadt.“

All denjenigen, die sich als Pro Veltener engagieren oder unsere Arbeit unterstützen, möchte ich für den Einsatz und die aufgewendete Zeit danken. Spannende und sicher nicht immer einfache Zeiten liegen hinter uns. Aber auch spannende Zeiten liegen vor uns: Packen wir es weiter gemeinsam an!

Marcel Siegert, Vorsitzender Pro Velten

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